
Der Verkauf befindet sich in einem alten "Weinkeller", direkt an der Straße von Aigues-Mortes nach Saintes-Maries-de-la-Mer.
Dieser ist so unscheinbar (und sieht auch etwas verlassen aus), daß man schnell daran vorbei fährt.
Auf einem Zettel an der Tür steht eine Telefonnummer mit dem Hinweis, man solle bitte anrufen, es käme dann jemand vorbei. ....
Der Anruf hat sich gelohnt!!!
Die Camargue ist bekannt für ihre Flamingokolonien, wilde Stiere, prachtvolle Pferde, Meersalzgewinnung ("Fleur de Sel"), Reisanbau und natürlich den "Sandwein", der auf den Böden des (alten) Rhône-Deltas wächst.
Die Sumpflandschaft der Camargue ist geprägt durch Salzwiesen, flache Binnengewässer ("Etangs"), Ent- und Bewässerungsgräben für die landwirtschaftlichen Anbauflächen. "Weinkeller" sind aufgrund des Wasserdrucks im Boden oberirdische massive Steingebäude ohne Fenster.

Der Verkauf befindet sich direkt im Weinkeller. (Auch hier kein unterirdischer Raum, sondern eine große Halle mit Stahltanks und Abfüllanlage.)
Das Weingut gehört zur Gemeinde Coursan ganz in der Nähe von Narbonne. Es befindet sich am Schnittpunkt der Weinbaugebiete La Clape, Minervois und Corbières.
In Coursan muss man die richtige Abfahrt zur Domaine finden. Über Feldwege, entlang an Bewässerungskanälen, mitten durch die Weingärten geht die Fahrt einige Kilometer bis zum Ziel. Dort stehen zwar nur ein paar Häuser und landwirtschaftliche Gebäude, trotzdem muss man den Eingang zum Weinverkauf suchen. Aber man wird für den Weg belohnt.
Das Weingut gehört zu den Pionieren des Bioweinanbaus im Languedoc. Die jüngsten Kreationen sind Naturweine ohne Zusatz von Schwefel.

Die Weinlagen befinden sich rund um die Domaine in in einem kleinen Tal mitten in der "Garrigue Gardoise". Die Weinstöcke stehen an Hängen mit steinigen Lehm- und Kalkböden.
Die Einfahrt von der Straße zwischen Calvisson und Souvignargues ist gut sichtbar beschildert. Nach Nimes sind es nur 20 km.
Der Anspruch des Winzers ist, mit jedem Jahrgang noch besser zu werden. Dabei werden neue Verfahren der Vinification gesucht, aber auch mit anderen Gefäßen als Holzfass und Edelstahltank zur Reifung und Lagerung des Weines experimentiert. Beim letzten Besuch durften wir einen Blick in den "geheimen" Bereich des Kellers werfen. Neben Amphoren aus Ton stand dort auch ein "Fass" aus einem Material, das "kein Kunststoff" ist. Mehr erfuhren wir nicht, noch ein Geheimnis.
Kein Geheimnis ist, daß nur ein Rosé angeboten wird. Die Begründung des Winzers auf unsere Frage warum: "Den kann ich nicht besser machen!" ... Es ist unser Lieblingswein, ein perfektes Spiegelbild der Landschaft.

Wir entfernen uns weiter vom Meer an den Rand der Cevennen nach Saint-Privat-des Vieux, nicht weit entfernt von Alès (nicht verwechseln mit Arles). Noch ein paar Kilometer weiter nördlich und wir sind mitten im Schlaraffenland des Ziegenkäses, der wunderbar zu den Weinen dieser Domaine passt. Tatsächlich waren die Vorfahren dieser Winzerfamilie Anfang des 20sten Jahrhunderts Ziegenzüchter, bevor sie sich den Traum vom "Vigneron" erfüllten.
Leitlinien ihrer Weinproduktion sind der Schutz des lebenden Bodens und der biologischen Vielfalt. Dies drückt sich auch in der Vielfalt der Rebsorten aus. Sogar der für die Region untypische und seltene Nielluccio wird angebaut. Übrigens, in Italien wird er Sangiovese genannt und bringt viele berühmte Weine hervor.
Die Weinstöcke genießen am Fuße der Hügel auf kalkhaltigem Geröll stehend die kräftige Sonne am Tag und die Frische der Nacht in diesem Gebiet.

Dieses Weingut wurde von der Eigentümerfamilie der Domaine de Saint Alban im Jahr 2018 erworben. Damals wurden dort schon Bio-Weine hergestellt, die ohne den Zusatz von Schwefel auskommen. Reben werden auf isolierten Flächen inmitten von Wäldern der Gemeinden Saint-Hippolyte-de-Canton und Saint Etienne de l'Olm angebaut.
Tatsächlich sind wir über die Suche nach Weinen ohne Zusatz von Schwefel auf die Domaine de la Quiétude aufmerksam geworden. Da der Verkauf in den Räumlichkeiten der Domaine de Saint Alban erfolgt hatten wir das Glück auch deren Weine kennenzulernen.
Noch immer besitzen die Weine der beiden Güter einen ganz eigenen Charakter.
Unser Besuch des Weinguts im Juli 2024 hielt noch eine besondere Überraschung bereit: Wir wurden von einer jungen Französin begrüßt, die wunder deutsch sprach. So konnten wir mit großem Gewinn an Genuss und Wissen(!) einige Weine probieren. Die Auswahl war nicht leicht, aber PIWI-Wein und alkoholreduzierter Wein sind dabei.
Unsere jüngste Entdeckung im Sommer 2024 hat ganz besonderes zu bieten.
Der Winzer gehört zu den Pionieren des Anbaus von PIWI- Rebsorten in dem Languedoc. PIWI steht für "pilzwiderstandsfähig". Der Klimawandel befördert durch steigende Temperaturen und höhere Luftfeuchtigkeit die Verbreitung von Pilzkrankheiten im Weinanbau. Dies erfordert den verstärkten Einsatz von Pflanzenschutzmittel, was wiederum mehr Arbeit und mehr Maschineneinsatz bedeutet. Die Belastung der Natur nimmt zu, was gerade einem biologischen Anbau widerspricht.
Die zweite Besonderheit ist die Produktion alkoholreduzierter Weine mit Hilfe eines besonderen Verfahrens.
Aufmerksam geworden sind wir auf diesen Winzer duch einen Beitrag im Weltspiegel im September 2023.

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